Methodisch. Transparent. Wirtschaftlich: Value Engineering für komplexe Bauprojekte - ein Praxisbericht

In Zeiten dynamisch steigender Baukosten, wachsender technischer Komplexität und ambitionierter Nachhaltigkeitsziele stehen Bauherren vor neuen Herausforderungen. Insbesondere bei technisch anspruchsvollen Bauvorhaben hat die Technische Gebäudeausrüstung einen maßgeblichen Einfluss auf Investitionskosten, Betriebskosten und den nachhaltigen Lebenszyklus eines Gebäudes.
Boris Vorberg, Thomas Dahms
Über die Autoren

Dipl.-Ing. Boris Vorberg hat Elektrotechnik an der Fachhochschule Dortmund studiert und sich dabei auf die Fachrichtung elektrische Gebäudesystemtechnik spezialisiert. Seit Dezember 2016 arbeitet der zertifizierte Fachplaner für BMA für die Bereiche Elektro/Technische Ausrüstung bei der assmann GmbH, wo er 2023 zum Teamleiter "Technische Ausrüstung (ELT)" am Standort Dortmund ernannt wurde.

Dipl.-Ing. Thomas Dahms studierte Versorgungs- und Energietechnik an der Fachhochschule Berlin und bringt über 38 Jahre Erfahrung in der Planung und Umsetzung technisch anspruchsvoller Bauprojekte mit. Sein Fachwissen erstreckt sich u.a. von Laborgebäuden über Krankenhaustechnik bis hin zu kerntechnischen Anlagen. Seit Januar 2020 leitet er das Team „Technische Ausrüstung (HKLS)“ am Standort Dortmund.

Value Engineering-Prozess als Teilbereich der TA. Als Teil der Technischen Ausrüstung (TA) nimmt der Value Engineering-Prozess eine wichtige Rolle ein. Die assmann gruppe bietet in diesem Leistungsbereich spezielle Beratungsleistungen an – darunter Value Engineering, technisches Controlling, TA-Controlling und technische Projektsteuerung. In diesem Blog liegt der Fokus auf Value Engineering.   

"Value Engineering (VE) ist ein strukturierter Analyse- und Beratungsprozess zur Optimierung technischer Gebäudeausrüstung mit dem Ziel, Funktionen zuverlässig zu erfüllen und gleichzeitig Investitions-, Betriebs- und Lebenszykluskosten nachhaltig zu optimieren, ohne Abstriche bei Qualität, Nachhaltigkeit oder Nutzerkomfort."
 

Den Bauherrn stärken. Value Engineering versteht die assmann gruppe als strukturierten, prozessualen Beratungsansatz. Eine kontinuierliche Prozessbegleitung also, mit dem Ziel, Funktionen, Kosten, Termine und Qualität systematisch miteinander zu verknüpfen und den Projektwert über den gesamten Lebenszyklus hinweg zu optimieren.  

Das assmann-Team übernimmt dabei keine planende Rolle, sondern agiert als unabhängiger technischer Berater und Sparringspartner für den Bauherrn. Im Mittelpunkt steht nicht die kurzfristige Kostenreduktion, sondern die fundierte Bewertung technischer Konzepte, die Plausibilisierung von Planungsentscheidungen und der strukturierte Vergleich von Alternativen. Dieser methodische Ansatz sorgt dafür, Bauprojekte funktional, wirtschaftlich und technisch in Einklang zu bringen und macht technische Komplexität beherrschbar. Value Engineering lebt von der frühen Einbindung aller relevanten Akteure. Bauherrn, Nutzer und Planer bindet das assmann-Team aktiv in den Beratungsprozess ein, um Anforderungen klar zu definieren, Zielkonflikte frühzeitig zu erkennen und tragfähige Lösungen für das Gesamtprojekt zu schaffen.  

"Im Mittelpunkt steht dabei stets die Frage: Wie lässt sich die TA funktional und wirtschaftlich optimieren, um Kostensicherheit zu schaffen und den Projektwert/Projekterfolg nachhaltig zu steigern?"
 

Schnittstellen im Blick. Die TA ist ein Bereich, in dem VE besonders viel Wirkung entfaltet. Das liegt an ihrer hohen Komplexität, den sich schnell ändernden Gesetzen und Normen sowie der Vielzahl an Schnittstellen zu Tragwerk, Architektur und Außenanlagen. Viele Risiken, von Kostensteigerungen bis hin zu Terminverzug, entstehen genau dort, wo Gewerke nicht ausreichend miteinander abgestimmt werden. 

Handlungsoptionen aufzeigen. Value Engineering entfaltet seinen größten Nutzen, wenn der Prozess bereits in der LPH 0 - Bedarfsplanung beginnt und damit die technischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen eines Projekts frühzeitig prägt. Technische Konzepte werden dabei inhaltlich und zeitlich analysiert, auf Plausibilität geprüft und im Rahmen von Variantenvergleichen hinsichtlich Risiken und Optimierungspotenzialen bewertet. 

In Workshops mit dem Bauherrn und den Planern entstehen gemeinsame Leitlinien sowie klar definierte Qualitätsstandards, die als verbindliche Grundlage für die weitere Planung dienen. Die Perspektive des Bauherrn wird dabei konsequent mit der Projekterfahrung des TA‑Controllings zusammengeführt, sodass fundierte, ausgewogene und zukunftsfähige Entscheidungen möglich werden. 

Brandschutz systemisch gedacht. So zeigt sich die Wirkung der Value Engineering-Methodik beispielsweise auch im Brandschutz. Für die systemische Betrachtung aller beteiligten technischen Gewerke ist eine Brandfall-Steuerungsmatrix als integraler Bestandteil der Planung zu erstellen. Die darin definierten, automatisierten Abläufe erhöhen die Sicherheit im Ereignisfall erheblich und stellen sicher, dass alle kritischen Sicherheitssysteme auch unter höchster Belastung zuverlässig und abgestimmt funktionieren. 

Durch die frühzeitige Einbindung des Brandschutzes in den Value Engineering-Prozess wird die Betriebssicherheit erhöht, Planungsrisiken minimiert und die Grundlage für einen robusten, genehmigungs- und betriebssicheren Gebäudebetrieb geschaffen.

Expertise auf kurzem Weg. Die enge Verzahnung der Fachdisziplinen innerhalb des rund 40‑köpfigen TA‑Teams der assmann gruppe sowie die Anbindung an alle weiteren Bereiche des Bauens und der integrale Planungsansatz ermöglichen eine schnelle, fundierte Bearbeitung auch komplexer Fragestellungen. Die Stärke liegt in der fachlichen Tiefe: Von Gebäudeautomation über Heizungs‑, Lüftungs‑ und Sanitärtechnik bis hin zu Infrastruktur und Elektrotechnik steht eine breite Kompetenzbasis zur Verfügung, die den Austausch von Ideen und Lösungsansätzen auf hohem Niveau unterstützt. 

Da die Vielzahl spezialisierter TA‑Disziplinen auf Bauherrenseite nicht immer vollständig abgebildet werden kann, schafft diese gebündelte Fachkompetenz eine verlässliche Grundlage für eine partnerschaftliche, sichere und qualitätsorientierte Projektführung in jeder Phase des Bauvorhabens. 
 

Value Engineering für die Feuerwache Lüdenscheid: Funktion, Kosten und Qualität im Einklang. Wie Value Engineering die Qualität eines Projekts beeinflussen kann, zeigt der Neubau der Hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache in Lüdenscheid. Die Stadt plant an der Wiesenstraße eine moderne, nachhaltige und nach aktuellem Stand der Technik ausgelegte Wache, die den strengen Zielsetzungen des Lüdenscheider „Aktionsprogramms Klimaschutz“ entspricht.  

Neben dem Generalplaner hat die assmann gruppe den Auftrag, den gesamten Planungs- und Bauprozess als TA-Controller und Value Engineering-Partner zu begleiten. Von Beginn an stehen die funktionalen Anforderungen einer Berufsfeuerwehr im Mittelpunkt, ergänzt durch anspruchsvolle energetische und ökologische Vorgaben. Das Projekt befindet sich derzeit im Abschluss der Leistungsphase 5 - Ausführungsplanung. 

"Der Anspruch besteht darin, die Technische Gebäudeausrüstung der neuen Feuerwache Lüdenscheid so zu planen und umzusetzen, dass alle funktionalen Anforderungen optimal erfüllt werden, Kosten und Termine verlässlich eingehalten bleiben und sowohl die Qualität als auch der spätere Betrieb langfristig gesichert sind."
 

Die Lage als technischer Schlüssel: Planung in der Talsenke. Ein wesentliches Thema stellt die besondere Topografie des Standorts dar. Die neue Wache befindet sich in einer Talsenke – ein Faktor, der insbesondere bei Starkregenereignissen das neue Entwässerungssystem durch angrenzende Wohnbaugebiete stark belasten kann. 

Im Rahmen des Value Engineerings wurde frühzeitig ein Rückhalte- und Entwässerungskonzept gefordert, das die sichere Funktion der Wache auch unter Extrembedingungen gewährleistet. Rückhaltezisternen nehmen das von den Hanglagen abfließende Wasser vollständig auf und leiten es anschließend kontrolliert in das Kanalnetz ab. Auf diese Weise bleibt die Infrastruktur geschützt, und der Betrieb kann auch bei außergewöhnlichen Wetterereignissen störungsfrei aufrechterhalten werden. Ein Aspekt, der für den kontinuierlichen Einsatzbetrieb einer Feuerwache von zentraler Bedeutung ist. 

Komfort für Einsatzkräfte: Akustik als Qualitätsfaktor. Während der Vorentwurfsphase zeigte sich ein weiteres Optimierungspotenzial in den Ruhebereichen der Feuerwache. Diese Räume dienen den Einsatzkräften als wichtige Erholungszonen, in denen akustische Störungen belastend wirken können. Ventilatorgestützte Lüftungs- oder Kühlgeräte erzeugen Geräusche, die die notwendige Ruhe erheblich beeinträchtigen.

In enger Zusammenarbeit mit dem beauftragten Generalplaner entstand im Rahmen eines strukturierten Entscheidungsprozesses die Empfehlung, Induktionskühlgeräte im Zwischendeckenbereich einzusetzen. Diese arbeiten nahezu geräuschlos und verbessern zugleich die thermische Behaglichkeit deutlich. Auf diese Weise entsteht ein hochwertiges Umfeld, das den besonderen Beanspruchungen des Feuerwehralltags gerecht wird. 

Technische Entscheidungen für Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. Value Engineering beinhaltet immer die Frage, wie technische Systeme über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg wirken. An der Feuerwache Lüdenscheid zeigte dies die Diskussion über eine mögliche Eisspeicheranlage. Energetisch attraktiv und als Pilotprojekt durchaus richtungsweisend, stellte sich diese Lösung jedoch im Hinblick auf die langfristige Wirtschaftlichkeit der Immobilie als nicht zielführend heraus.

Die Entscheidung gegen das System basiert auf einer ganzheitlichen Analyse, die technische, wirtschaftliche und betriebliche Faktoren berücksichtigt. Grundlage hierfür war ein umfassender Lebenszykluskostenprozess (Life Cycle Cost (LCC)), den die Stadt Lüdenscheid initiiert und extern vergeben hat. 

Diesen LCC-Prozess begleitete die assmann gruppe von Beginn an aktiv und unterstützte die Entscheidungsfindung fachlich über alle relevanten Projektphasen hinweg. 
 

Warum Value Engineering für öffentliche Projekte unverzichtbar ist. Der Prozess des Value Engineerings sorgt dafür, dass Entscheidungen nachvollziehbar, faktenbasiert und im Einklang mit den Projektzielen getroffen werden. Für Bauherren bedeutet das ein deutliches Plus an technischer Sicherheit, wirtschaftlicher Stabilität und organisatorischer Transparenz. Projekte wie die Feuerwache Lüdenscheid werden dadurch nicht nur funktionaler und nachhaltiger, sondern auch robuster gegenüber Risiken und optimal auf ihren späteren Betrieb ausgerichtet. 

Partnerschaft und empathische Kommunikation. Besonders spürbar wird dieser Mehrwert in der Zusammenarbeit mit der assmann gruppe: Der Bauherr beauftragt eine außergewöhnlich tiefe technische Fachkompetenz, die in partnerschaftlicher und gemeinschaftlicher Zusammenarbeit direkt in die Erreichung der Zielvorgaben einfließt. Arbeiten auf Augenhöhe ist für uns ein zentrales Prinzip. Denn nur so entstehen Lösungen, die in Technik, Kostenrahmen, Terminsicherheit und Qualität gleichermaßen überzeugen. Wichtig ist uns dabei, alle Beteiligten mitzunehmen, eine offene Kommunikationskultur zu leben und sicherzustellen, dass das Projektteam als Einheit funktioniert. Das menschliche Miteinander ist für uns eine Voraussetzung für technische Exzellenz. Und unverzichtbar überall dort, wo es auf knifflige Details ankommt. 
 

Value Engineering bietet: 

-    Optimierte Kosten ohne Qualitätsverlust 
-    Verbesserte technische Funktionalität und Betrieb 
-    Planungs- und Terminsicherheit in den technischen Gewerken 
-    Faires Co-working/Workshops mit Planern und Bauherrn 
-    Strukturierte Entscheidungsgrundlagen 
-    Zusätzliche Handlungsoptionen  
-    Wirtschaftliche, nachhaltige und zukunftssichere Lösungen.  
 

Fazit: Der Mehrwert von Value Engineering liegt in der Fähigkeit, Komplexität beherrschbar zu machen und fundierte Entscheidungen für den gesamten Lebenszyklus eines Projekts zu ermöglichen. Entscheidend ist, technische, wirtschaftliche und funktionale Anforderungen frühzeitig zu verzahnen und über den gesamten Projektverlauf konsequent weiterzudenken.

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